last.fm ist mehr als nur ein Radiodienst im Internet. last.fm ist eigentlich die Idee, das Radio zu individualisieren und nebenbei noch eine großartige Gelegenheit, eigenes Hörverhalten genauer unter die Lupe zu nehmen. Und genau das bewog mich just vor einem Jahr, diesen Dienst zu nutzen. Was höre ich eigentlich am meisten? Welche Bands, welches Album, welcher Track wird am meisten gespielt? Wieviel Musik höre ich? Nur die Frage nach dem "Warum" kann last.fm offenbar nicht klären.
Wie auch immer, nach einem Jahr bin ich schon erstaunt und begeistert. Denn last.fm bietet an sich erheblich mehr, als reines Statistiken sammeln:
Kostenlose Downloads, teilweise sogar von bekannten Bands (z.B. deren frühe Alben) oder von Newcomern, die dieses Portal als Verbreitungsquelle nutzen;
das Scrobbeln (also Dokumentieren) von Musiktiteln, auch, wenn der heimische mp3 Player läuft;
das selbstbestimmte Erstellen von Playlisten (z.B. Lieblingstitel);
Einbindung von Apps (spätestens seit der i-phone Werbung in aller Munde) zum Hörverhalten;
Social Networking (nutze ich persönlich über last.fm weniger);
Taggen von Musiktiteln (also das Benennen bestimmter Eigenschaften, z.B. Musikrichtung)
usw.
Das tolle daran. Du hörst nicht nur deine eigene Musikrichtung, sondern kannst dir ein individuelles Radioprogramm zusammenstellen lassen. Das geht z.B. über den "Scrobbler", dem du einen Tag oder einen Künstlernamen eingibst und der dir dann anhand von Verwandschaften zu diesem Begriff etliche gute Musik aus einer Datenbank zusammenwürfelt.
Via Internet lässt sich das sogar noch optimieren, denn dort lassen sich Künstlergruppen oder mehrere Tags versammeln, um eine noch differenziertere Songsauswahl zu erhalten. Ebenfalls kannst du Musiksammlungen deiner Freunde und "Nachbarn" (das sind Personen, die last.fm aufgrund ähnlicher Geschmäcker etc. auswählt) spielen lassen und somit deinen musikalischen Horizont erweitern.
Alles ganz prima. Nebenan im rechten Fenster siehst du ein kleines last.fm "Widget". Ein Tool, dass ich in die Webseite eingebaut habe und welches steitg in Echtzeit die gerade gehörten Titel anzeigt. Ja echt, für Menschen, die permanent Musik hören ist sowas wichtig
Nach einem Jahr kann ich nun für mich folgendes Ergebnis heraushören:
- Meine Lieblingsband heißt: Rush (wen wunderts)
- Gefolgt von Miles Davis (die CD Box mit 70 CDs WILL gehört werden)
- Über 13000 Titel habe ich in einem Jahr über Scrobbler oder das Internet gehört (darin nicht enthalten: Gehörte CDs zu Hause, oder mp3s während der Autofahrten usw.)
- das sind etwas mehr als 1000 Titel pro Monat (was noch nicht wirklich viel aussagt, da Titel auch sehr laaaang sein können und somit bis zur 5-6fachen Länge eines "Standardsongs" von 4-5 Minuten haben können) - Eine Echtzeitaufstellung wäre da etwas aufschlussreicher: Ich such da mal nach einer App)
- Es gibt auch Apps, die dir z.B zeigen, welche Musikrichtung du am meisten abspielst.
- Die regelmäßig über die heimische PC-Musik-Anlage abgespielten Bands und Favoriten konnten vervielfacht werden durch das Hören von Nachbarradio (derzeit kenne ich laut last.fm etwas mehr als 1000 Künstler). Wie gut, sagt last.fm indes nicht

- Die Lieblingstitel sind indes sehr spannend. Das sind nämlich nicht unbedingt Lieblingstitel von mir. Es bringt vielmehr zum Ausdruck, wie dämlich "Shuffle" Algorythmen von winamp oder andern Mediaplayern sind, da sie diverse Stücke offenbar als "Ankerpunkte" immer wieder abspielen (siehe auch meinen
Eintrag: Die Lieblingsstücke des mp3 Players).
Fazit: Für mich ist last.fm ein prima Radiodienst und die Wiederentdeckung des Radios. Das Programm ist nicht nach Schema F zusammengestellt, sondern lässt sich individuell anpassen. Es macht Spaß in andere Musik hineinzuhören und zu vergleichen, was andere Leute denn so hören. Die statistischen Gimmicks sind zwar wenig aussagekräftig aber irgendwie macht es dennoch Spaß sie zu verfolgen. Absolut empfehlenswert ist es übrigens auch deshalb, weil du den Dienst nach einer Anmeldung kostenlos und fast uneingeschränkt nutzen kann und kaum Künstler oder Alben ausgeklammert werden. Neben sehr erfolgreichen Bands kannst du dort auch absolute Newcomer entdecken. Das macht Spaß.